Ode an die Ömi

Diesmal ist die Hauptperson meines Blogeintrags Ömi. Leider habe ich in letzter Zeit kaum noch Gelegenheit gehabt, zu schreiben, doch der Ömi muss ich unbedingt noch meine Zeit widmen, bevor sie am 10. Januar verreist. Ja, die Ömi hat im ,,besten Alter´´ noch ein Zuhause gefunden! [Mittlerweile ist sie schon verreist; es gibt einen Zeitsprung in diesem Eintrag.]

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Die Ömi

Aufgrund ihres Alters und ihrer Herzschwäche hat sich die Vermittlung für sie schwieriger dargestellt als bei den meisten anderen Hunden. Doch wird sie jetzt endlich ein eigenes Körbchen bekommen. Und wieso auch nicht? Nur weil ein Hund etwas älter ist, heißt das nicht, dass er weniger lieb, witzig, verspielt oder neugierig als ein jüngerer Hund ist, dass er an eigenem Charakter verloren hat, oder? Das gilt auf jeden Fall ganz bestimmt für die Ömi, denn die hat mit zunehmendem Alter nichts an Ungeniertheit und Selbstbewusstsein verloren.

Auch ihre Lebenserfahrung hat ihre Liebe und Treue zum Menschen in keiner Weise beschränkt. Wenn man weiß was der Ömi alles für Schmerz und Leid von Menschenhand hinzugefügt wurden, wundert man sich, ob wir Menschen die Nähe eines so tapferen Wesens überhaupt verdienen. Die Ömi wurde, fast verhungert und schmerzerfüllt, von einem deutschen Touristen unter der Treppe einer luxuriösen Hotelanlage gefunden. Als der besorgte Mann bei der Rezeption nach Wasser und Brot für die kleine Jagdhündin fragte, wurde er angeschnauzt, Streuner hätten nichts auf diesem Gelände zu suchen, schon gar nicht in einem solchen Zustand. Die Ömi musste von der Anlage entfernt werden. Dies ließ sich der standfeste Tourist nicht gefallen und drohte dem Hotel alle seine Sandwiches aufzukaufen, wenn er kein Futter für die Ömi bekommen würde, was dem Geschäft in der Sommersaison sehr schaden würde. Daraufhin hat er die Station informiert und die Ömi konnte abgeholt werden. Dort wurden mehrere Tumore an den Milchleisten, einen Gasbrand und eine gebrochene Rippe festgestellt. Auch muss sie einen Bruch von einer Schussverletzung im linken Oberschenkel gehabt haben, denn der ist verstetzt zusammengewachsen, wodurch sich das Bein ein wenig verkürzt hat. Weiterhin befand sich in ihrem Bauch vermutlich eine Unmenge an Schrot und ihre Zähne waren kaputt. Mittlerweile merkt man von all diesem zum Glück nichts mehr. Die Ömi ist halt ein unschlagbares Modell. Nur dass viele ihrer Zähne abgebrochen sind, bereitet uns ab und zu Probleme beim Leckerchengeben. Weil sie aufgrund ihres Alters nämlich nicht mehr so gut sieht, schnappt sie sich in ihrer Vorfreude auch mal aus Versehen die Finger und das kann mit diesen scharfen Kanten ganz schön weh tun…😉

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Bei diesem Bild geht es nicht um Ömis interessanten Gesichtsausdruck, sondern um ihre Zähne

In den ersten Tagen, dass ich auf der Station war, habe ich im Winterhaus gewohnt und bin nachts immer bei Ömi und Dex auf die Toilette gegangen, denn die haben im Bad gewohnt. Die Ömi hatte sich eine ganz wirksame Strategie ausgedacht, um jedes Mal wieder ihre Streicheleinheiten einkassieren zu können: Immer wenn ich reingekommen bin, hat sie sofort angefangen zu bellen. Und dann nicht mehr aufgehört, bis ich sie gestreichelt hatte, säße ich dabei noch auf der Toilette. Sie und ihr bester Freund Dex haben fürs Sich-Erleichtern sozusagen Zoll verlangt. Ist das keine Geschäftsidee mit Erfolgsgarantie? Dazu muss man wissen, dass die Ömi auch ein unverwechselbares Bellen hat. Ein monotones ,,Uw´´, wie ein Seehund, immer im gleichen Abstand von einander. Sie und Fausta fangen auch immer eine Weile bevor die nächste Runde beginnt an, ein Duett zu singen, in der Hoffnung, dass das Essen dann schneller kommt.

Ömi hatte sowieso eine sehr intime Beziehung mit ihrem Essen. Morgens und Abends stürzte sie sich immer in den Flur, wenn man die Tür zu ihrem Zimmer öffnete. Dabei stolperte sie dann meistens über Anna, die aufgrund der für Hunde typischen mitgelieferten Körperuhr auch schon in den Startlöchern stand. Man selbst sollte allerdings auch aufpassen, nicht über den Schaum auszurutschen, der aus ihrem Mund auf den Boden getropft war und sich vor der Türschwelle anhäufte… Ömis Appetit war einfach unbezähmbar. Auch die Leckerchen wurden nicht geschont; obwohl sie ohnehin immer eins beim Reingehen bekam, fand sie, dass sie uns im Flur trotzdem dazu auffordern musste, indem sie unaufhörlich vor sich hin bellte. So konnte man natürlich die einzelnen Schritte der Handlung des Leckerchengebens beschleunigen. Die Strategie zeigte ihre Wirksamkeit vor allem beim letzen Schritt, bei dem der Mensch schon so gereizt war, dass er noch im Flur dem Hund sein Leckerli überreichen würde, in der Hofffnung, dadurch den Lärmpegel zu sinken. Und weil Menschen soft sind, würde man, im Zimmer angekommen, natürlich noch ein Leckerchen bekommen.

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Ömi sieht schon, dass es Leckerchen geben wird.

Eine weitere besondere Eigenschaft der Ömi war ihre unverwüstbare Ungeniertheit. Sobald irgendwo auf dem Hof Streicheleinheiten signaliert wurden, schob sie sich zwischen allen Hunden hindurch zur austeilenden Hand, ohne jegliche Rücksich auf die anderen, deswegen kam sie oft aus dem Nichts hinter einem, unter deinem Arm oder einem anderen Hund hervor –  wie ein riesiger Pottwahl, der sich einen Weg durch den Ozean bahnt. Ich weiß, das ist ein nicht sonderlich hübscher Vergleich, aber ich fand, es beschreibt die Situation sehr treffend.

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Ich glaube, hier wurde eigentlich Zoey gestreichelt, aber dann war da eine Ömi.

Dennoch zierte Ömi diese Eigenschaft, denn sie regte zum Lachen an und schien doch niemanden sonderlich zu stören. Denn Ömi ist eine wunderbare Hündin und innerhalb der Gruppe hatte sie eine spezielle Stellung. Eine Omi wie Ömi kann es nur einmal geben.

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Die erste Hälfte dieses Eintrags habe ich noch in Nikiti geschrieben. Jetzt wo ich zwei Monate wieder zuhause bin, habe ich es hingekriegt, ihn doch noch zu Ende zu schreiben, und fand es, obwohl ich nicht mehr in Griechenland bin, eine gute Idee, ihn hochzuladen; es handelt sich schließlich um eine Ode an die Ömi – außerdem wohnt sie selbst ja mittlerweile auch schon in Deutschland.🙂 Dementsprechend ist das auch mein letzter Blogeintrag über die Hunde in Nikiti. Ich vermisse sie und wünsche ihnen allen viel Liebe, und dass sie bald ein tolles eigenes Zuhause bekommen!

Flora und Hündin Anna aus Nikiti

Tobi und Kaya

Liebe Leser,

die einzigen Hunde auf der Station, die wirklich gefährlich sind (oder auf jeden Fall sein können), sind heute das Thema meines Blogeintrags. Kaya ist ein Kangal-Mix (Unterart des anatolischen Hirtenhundes) und Tobi ein Dobermann, ein echter Rassehund also. In einigen deutschen Bundesländern gehören Kangals und Dobermänner zu den Listenhunden, d.h. dass der Hund aufgrund seiner Rasse als gefährlich eingestuft wird, falls kein Wesenstest durchgeführt wird. Er ist dann verboten oder nur eingeschränkt zu halten.

Ich stelle vor: Tobi und Kaya.

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Tobi ist vom Wesen her Menschen gegenüber absolut freundlich. Mit den meisten Weibchen versteht er sich auch, jedoch ist er anderen Rüden gegenüber absolut unverträglich. Bevor er kastriert wurde, war er zu anderen Männchen noch viel aggressiver und es konnte dann auch mal passieren, dass er den Menschen, der neben ihm stand, angegriffen hätte, weil er nicht an seinen Feind an der anderen Seite des Tors rankommen konnte. Mittlerweile verfügt Tobi (oder auch Tobias, wenn er mal wieder nicht hört) aber über etwas weniger Testosteron und ist dementsprechend etwas ruhiger. Das heißt aber nicht, dass er mal eine Minute still sitzen kann, außer man streichelt ihn gerade ausgiebig.

So wie hier.

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Tobi ist also definitiv ein schlimmer Fall von Hunde-ADHS😉 , man muss auch damit umgehen können, dass man zur Begrüßung intensiv angesprungen wird und dabei meistens um einige monströse Kratzspuren reicher wird😮 , dennoch ist er für einen Kampfhund auch ausgesprochen verschmust. Wer würde nicht schmilzen, wenn ein großer Wachhund mit Riesenzähnen sein Leckerchen ganz vorsichtig aus der Hand annimmt? Fröhlich und verspielt ist er auch sehr. Vor allem einen blauen Ring, den er sich immer um de Nacken wirft, liebt er sehr. Es sieht dann so aus, als hätte er eine Zahnspange.

Das ist Tobi mit seiner blauen Zahnspange.

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Weil er so verspielt ist und so viel herumrennt, fliegen seine Ohren immer in alle Richtungen. Das sieht dann so aus:

DSCN4463 Sind sie nicht fabulous?

In vielen Ländern ist es jetzt zum Glück verboten Dobermännern den Schwanz und die Ohren zu coupieren. Tobi ohne seine tollen Windfänger und seinen Ringelschwanz ist unvorstellbar.

Siehe hier, Tobi (in Wachmodus) mit seinem Hinternschmuck:

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Die Kaya würde diesen Wesenstest, den es in Deutschland gibt, wahrscheinlich (noch) nicht bestehen. Trotzem hat sie aber schon eine positive Entwicklung durchgemacht. Am Anfang als sie auf der Station war, hat sie alle neuen Helfer gebissen. Jetzt muss man natürlich immer noch aufpassen, dass man sie nicht herausfordert, nervt oder erschreckt, aber sonst ist sie die meiste Zeit über sehr kuschelig. Wenn sie aber während der Streicheleinheiten zu wild wird und ständig hochspringt, auch schon mal deinen Arm in den Mund nimmt, sollte man sich von ihr wegdrehen und sie ignorieren. Sie hört dann auf und versteht, dass diese Spielart von Menschen nicht erwünscht wird. Kuscheln mag sie aber wie gesagt sehr und man kann sich dann auch ab und zu hinknien, wenn sie gerade eine ruhigere Phase hat. Am liebsten legt sie sich dann auch auf den Rücken und lässt sich am Bauch kraulen.

Kaya erwartet schon freudig die Streicheleinheiten.

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Auch gebürstet werden, findet sie wundervoll und das ist auch definitiv nötig, denn sie hat so dickes Fell, dass sie jeden Tag ungefähr eine Kopfkissenfüllung an Haaren verliert. Dieses blonde Fell und ihre schwarz umkreiste Augen geben ihr aber ein bezauberndes Aussehen. Ich glaube, der Kajalstift wurde nach ihr benannt.

Hier noch ein Portraitbild von Kaya, der Stationsschönheit.

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Und das ist auch die Kaya.

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Diese bernsteinfarbene Augen verleihen ihr manchmal aber auch einen etwas wahnsinnigen Ausdruck. Vor allem wenn sie beim Reingehen in ihren Zwinger, ein Leckerli bekommt. Im Gegensatz zu Tobi würde sie in ihrer Aufregung wahrscheinlich die Hand mit abreißen, wenn man nicht vorsichtig ist…. Und ja, dann war da dieses eine Mal, als sie so schnell zubeißen wollte, dass sie ihr Leckerchen in den Chloreimer geworfen hat.

Seit ungefähr einer Woche gehen Tobi und Kaya zusammen nach draußen. Die Integration war ein großes Ereignis, denn beide sind nicht besonders verträgliche Hunde. Falls sie sich sofort gehasst und angegriffen hätten, wäre es unglaublich schwierig gewesen, sie wieder auseinander zu bekommen. Das wäre dann ein richtiges Gemetzel geworden. Als sie auf einander losgelassen wurden, standen alle schon bereit mit Wassernäpfen, die man im Notfall über die beiden ausleeren könnte. Zum Glück hat Tobi sich der Kaya aber richtig rücksichtsvoll angenähert, sie ganz niedlich zum Spielen aufgefordert und sie so eín wenig beruhigt. Er ist ihr leider immer noch nicht wirklich geheuer, also schnautzt sie ihn ab und zu noch an, wenn er am falschen Moment zu nah kommt, aber im groben und ganzen duldet sie ihn. Und Tobi scheint sich aufgrund der neuen Gesellschaft generell auch ein wenig beruhigt zu haben. Er hat sogar etwas weniger Durchfall. Das ist nämlich fast jeden Morgen das Erste, was wir machen: Tobis an die Wand gespritzten Durchfall entfernen. Tobi ist halt unser Durchfall-Dobermann, denn Dobermänner als Rasse sind sehr aktiv, müssen ihre Energie ausreichend loswerden können und auch mental gefordert werden. Weil er seine Neurosen aber nicht immer befriedigen kann, wird er in seinem Zwinger sehr nervös und kann sich dann anscheinend oft nicht beherrschen. Meist passiert ihm das nachts und eines Tages als wir ihn morgens rausgelassen haben, hatte er sein Körbchen umgekehrt und saß oben drauf, damit er nicht in seinem eigenen Geschäft hocken musste. 

Hier noch einige Bilder von nach der Integration:

Sitzt man gerade bereit fürs Kraulen und dann ist da plötzlich so ein Hintern.

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Wenn Blicke töten könnten…

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Tobi und Kaya verfügen beide über sehr ausgeprägte Geschmäcker. Tobi hilft immer beim Kackesammeln, indem er alle Haufen aufisst. Letztens als ich die beiden rausgelassen hatte, habe ich gesehen, dass Kaya in ihren Zwinger reingekackt hatte, was für sie eigentlich ungewöhlich ist. Ich musste dann kurz etwas anderes erledigen, bevor ich deren Zwinger saubermachen konnte. Als ich wiederkam, lief Tobi gerade aus Kayas Zwinger heraus und ihr Haufen war verschwunden. Nur die Spuren seiner Gräueltat waren noch auf zu finden.

Die Kaya trinkt am liebsten Kaffee. Einmal hat sie einen unbewachten Kaffeebecher gefunden, ihre Zunge ganz vorsichtig reingesteckt und dann die unbekannte Sensation ohne Weiteres genossen. Der Besitzer des Bechers war natürlich ganz entsetzt. Naja, danach hat sie auch noch das Anti-Mückenspray gestohlen und ist damit wie mit einer Beute herumparadiert. Wenn einem die Kacke gestohlen wird, was will man dann auch machen?

Liebe Grüße

Flora

Karuso der Kluge und findiger Franz

Liebe Leser,

Zufall kann Leben retten und zwar sechs auf einmal. Vor einigen Tagen standen zwei deutsche Touristen vor dem Tor der Station. Sie hatten sechs Welpen dabei, die noch keinen Tag alt gewesen sein können. Die Leute hatten beobachtet wie ein Mann die hilflosen, noch blinden Babyhunde in einen Müllcontainer geschmissen hatte. Sie haben sofort gehandelt, jedoch können die Welpen auch auf der Station nicht gerettet werden, wenn die Mutter nicht dabei ist. In diesem zarten Alter können die Tiere nämlich nur mit Muttermilch überleben. Wo die Mutter sich befinden könnte, würde jedoch nur der wissen, der sie von ihren Kindern beraubt hatte.

Sofort wurden die Behörden alarmiert. Der Täter war aber leider schon mit seinem Pick-up geflüchtet. Trotzdem wollten die Touristen eine Anzeige erstatten, wofür sich der örtliche Tierarzt als Zeuge angeboten hatte. Auf dem Weg zur Polizei bekam der Arzt plötzlich unglaublichen Lust auf Eis, weshalb kurz bei Lidl angehalten werden musste. Zufälligerweise hatte der Täter wohl auch noch vorgehabt, einiges an Proviant in dem deutschen Supermarkt einzukaufen, bevor er seine Flucht fortsetzte. Der Tierarzt erkannte den gesuchten Pick-up auf dem Parkplatz und der Mann wurde auf der Stelle verhaftet, als er seine Einkäufe erledigt hatte.

Zum Glück hat der Täter angegeben, wo die Mutter sich aufhielt, denn am nächsten Morgen wurden sie und ihre Kinder auf der Station wiedervereinigt. Seit mehreren Tagen schon bewohnen sie jetzt zusammen das Zimmer, das an den Aufenthaltsraum grenzt. Von dort aus hört man die Welpen oft laut quietschen und durch das Fenster kann man sehen, wie sie sich zum Trinken an ihre Mutter kuscheln.

Seit einigen Wochen gibt es einen neuen Riesen auf der Station. Sein Name ist Karuso. Leider befand er sich in einem sehr schlechten Zustand, als er von der Straße abgeholt wurde. Er war sehr abgemagert und hatte eine frische Schusswunde. Später wurde festgestellt, dass er auch noch an Räude leidet.

Am Anfang hat er kurze Zeit in einer Box im OP-Raum geschlafen, aber mittlerweile bewohnt er auch seine eigenen vier Wände und darf wie alle anderen Hunde dreimal pro Tag nach draußen. Er freut sich jedes Mal wieder und kommt am liebsten die ganze Zeit kuscheln. Er ist wirklich ein unglaublich freundlicher Hund. Leider kann man ihn nur mit den Händen kraulen und nicht umarmen, weil die Räudemilben nicht in die Klamotten gelangen sollten. Im Moment wird er aber entwurmt und die Räude wird auch behandelt. Zum Glück hat er auch schon ordentlich zugenommen und die Wunde ist genesen.

Außer dass er ein unglaublich lieber Riese ist, ist er auch sehr intelligent oder wenigstens sehr erfahren durch das harte Leben auf der Straße. Einmal als er draußen gegessen hat, hat es ein wenig geregnet. Karuso als Streuner hat sich selbst beigebracht, sein Futter immer so gut wie möglich zu beschützen, denn er hat ja schon genug gehungert. Ihm wurde der Regen irgendwann zu heftig, weshalb er plötzlich kurz innehielt mit dem Essen, seinen Napf in den Mund nahm und ihn ins Trockene unter die Abdachung brachte, um dort in Ruhe weiter zu essen. Das fand ich eine richtig kluge Lösung und war davon wirklich beeindruckt, obwohl es für ihn die normalste Sache der Welt zu sein schien. Er hat einfach fröhlich weitergewedelt und ab und zu hochgeguckt, während er sein Futter gekaut hat.

Das ist Karuso vor einigen Tagen. Er ist nicht mehr so mager wie am Anfang, jedoch muss er noch weiterhin zunehmen, wie man sieht.

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Vor ein Paar Tagen gab es einen weiteren Neuzugang mit Räude, jedoch zum Glück noch im Anfangsstadium. Der Franz, wie wir ihn genannt haben, hat noch sein ganzes Fell, was ihm den Anschein, ein Hybride aus Wolf und Löwe zu sein, gibt.

Das ist Franz mit seinen Bartmähnen. Als ich ihn zuerst gesehen hatte, dachte ich, er hätte einfach sehr kleine knuffige Ohren, aber leider wurden die ihm teilweise abgeschnitten. Weil er so dichtes Fell hat, fällt das aber nicht sofort auf.

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Auch Franz ist ein Wesen mit Erfindergeist. Dazu kommt, dass er auch äußerst gelenkig ist. Franz und Karuso teilen sich normalerweise den Hof, wenn sie nach draußen gehen. Das heißt, wenn Franz es sich nicht anders überlegt. Das erste Mal, als er draußen war, ist er sofort über die Mauer in den Bereich der OP-Hunde gesprungen, die zum Glück zu dem Zeitpunkt nicht draußen waren. Er hat eindeutig einen Weg raus aus der Station gesucht. Wir haben ihn dann kurz angeleint und zurück zur anderen Seite des Tors gebracht. Jetzt müssen wir ihn immer zurückrufen, wenn er sich in die Nähe der Mauer begibt. Als Straßenhund war er es ja auch gewohnt, frei herumlaufen zu können. Dennoch muss das Überleben als Streuner auch für ihn schwierig gewesen sein, denn seine Wespentaille ist etwas zu deutlich ausgeprägt.

Franz ist genauso wie Karuso ein ganz lieber Kerl, der am liebsten permanent Streicheleinheiten genießen würde. Die beiden finden sich aber leider gegenseitig nicht so interessant und halten sich bis jetzt am liebsten nur mit uns Menschen auf.

Liebe Grüße

Flora

Anna und Ali

Liebe Leser,

Ungefähr zwei Wochen bevor ich auf der Station angekommen bin, ist eine noch kein Jahr alte Hündin auf die Station gebracht worden. Sie hatte einen schlimmen Unfall gehabt und war auf der Straße liegen gelassen. Die deutsche Frau, die sie letztendlich auf die Station gebracht hat, berichtete, dass mehrere Bauarbeiter und Touristen Zeugen des Vorfalls gewesen sein müssen. Als sie in einem Hotel in der Nähe der Unfallstelle nachfragte, was mit dem angefahrenen Welpe sei, meldeten sich die Bauarbeiter und Touristen beiläufig, weil sie den Tumult um das verunglückte Tier mitbekamen. Sie hätten den Unfall wohl gesehen. Aber beide hatten also jegliche Versuche, dem verletzen Tier zu helfen, unterlassen.

Es wurden eine schwere Gehirnerschütterung und eine Luxation (Verrenkung, wodurch sie ihr Bein nicht mehr gut aufsetzen kann) am linken Hinterbein festgestellt. Außerdem blutete sie aus dem linken Ohr und Nasenloch. Auch das Auge an dieser Seite ist kaputt und eitert immer noch ab und zu. Ob sie damit noch sehen kann, weiß man nicht genau. Aufgrund der Verrenkung humpelt sie ein wenig. Weil ich fand, dass der Name zu ihr gepasst hat, habe ich sie Anna nennen dürfen.

Das ist die Anna jetzt, nachdem sie ungefähr anderthalb Monate auf der Station verbracht hat.

Anna

In den ersten 11 Tagen, dass ich auf der Station war, habe ich im Winterhaus geschlafen im Zimmer schräg dem von Anna gegenüber. Ihre Tür war immer offen, damit sie ab und zu durch den Flur laufen konnte. Ich wurde daher auch gewarnt, die Tür zu meinem Zimmer immer zu schließen, denn sonst würde die Unfallhündin, wie sie vorher genannt wurde, vielleicht heimlich rein gehen und pinkeln. Am Anfang habe ich sie nur an meiner Hand riechen lassen. Mehr hätte sie zu dem Zeitpunkt auch noch nicht zugelassen, oder wenigstens habe ich es aus Nachsicht erstmal nicht versucht. Nach einer Weile konnte ich sie an der Brust kraulen. Später habe ich auch versucht sie über den Kopf zu streicheln, weil sie mir mittlerweile weniger ängstlich vorkam. Vorher hat sie immer gequietscht, wenn ich reinging, aber damit hat sie irgendwann aufgehört.

Diese Entwicklung verlief bald mit immer größeren Schritten. Auf einmal ging sie nicht mehr weg aus dem Flur, wo sie gegessen hat, wenn ich dort mit Wischeimern herumlief. Dann hat sie auch noch ab und zu gewedelt, als ich sie an meiner Hand habe riechen lassen, was mich richtig gefreut hat. Inzwischen kann ich sie schon lange anfassen, ohne sie erst riechen zu lassen, und sie lässt sich sogar knuddeln. Seit einiger Zeit besuche ich sie und ihren neuen Freund Alibaba auch abends öfter. Ich glaube, diese extra Streicheleinheiten und die Gesellschaft des tollpatschigen Alis haben wirklich dazu beigetragen, dass sie so gut aufgetaut ist. Wenn wir zu dritt im Zimmer sitzen, legt sie sich tatsächlich schon zum Streicheln hin, legt ihre Pfötchen dann über meine Arme und zeigt so ihre Zuneigung. Manchmal ist sie sogar ein wenig frech, sie beschnüffelt mich dann von allen Seiten und knabbert an meinem Pulli.

Das ist Alibaba, der Hund mit den permanenten Sommersprossen.

Alibaba

Der Ali, dessen Ego viel zu groß ist, in irgendeiner Weise schüchtern zu sein, ist ein wirklich großartiges Vorbild für sie. Ali ist ungefähr 5 Monate alt und wurde, kurz nachdem ich auf der Station angekommen bin, am Strand hier in der Nähe gefunden. Er wird später wohl eine mächtige Größe annehmen, denn er überragt jetzt schon einige seiner erwachsenen Freunde. Auch er humpelt, was vielleicht eine besondere Verbindung zwischen ihm und Anna hergestellt hat. Er muss im sehr jungen Alter einen Unfall gehabt haben, bei dem sein Hinterbein gebrochen und später steif zusammengewachsen sein muss.

Ali kuschelt sehr gerne, spielen macht er jedoch auch am liebsten zu jeder Tageszeit, auch abends, wann kleine Welpen schon längst schlafen sollten. Er ist der Anna dann manchmal ein Bisschen zu wild, vor allem, wenn er versucht, ihr Gesicht zu essen… Dann weist sie ihm kurz zurecht, was ich sehr gut finde, denn das heißt, dass sie sich nicht unterwirft und alles mit sich machen lässt. Der Ali soll auch lernen, was er sich bei anderen Hunden erlauben kann und was nicht. Er ist mittlerweile schon länger in der großen Hundegruppe aus dem Winterhaus integriert und spielt einfach mit den erwachsenen Hunden mit. Er rennt den anderen hinterher, zieht an jegliche Ohren, beißt in irgendwelche Nacken rein. Meistens verstehen die Erwachsenen Spaß, denn sie spielen ja alle zusammen, aber wenn der Halbstarke ihre Nerven zu sehr quält, wird ihm das ohne Weiteres klargemacht, zum Beispiel, indem man sich mit dem ganzen Gewicht auf ihn drauflegt – die Hierarchie darf nicht angetastet werden. Ali quietscht dann laut, lernt so aber, dass er nicht jeden zu oft herausfordern sollte. Wenn ich mich abends von den beiden verabschiede, steckt Ali mehrmals seine Schnauze in den Türspalt, was es mir schwierig macht, weg zu gehen. Er kommt mir dann immer vor wie ein Zeuge Jehovas –auch ihn kann man nicht so leicht abwimmeln. In letzter Zeit, legt er sich sogar demonstrativ komplett in die Türöffnung.

Anna und Ali kuscheln im Zimmer:

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Vor ungefähr einer Woche ist Anna zum ersten Mal nach draußen gegangen. Das ist der größte Fortschritt, den sie bis jetzt gemacht hat. Man konnte wirklich merken, dass sie das schon lange wollte, sich bloß vorher nicht getraut hatte. Als sie durch den Flur lief, hat sie immer wieder sehnend durch das Fenster in der Tür nach draußen geschaut. Eine Weile haben wir es so gehandhabt, dass die Tür zu ihrem Zimmer geschlossen blieb und wir die Haustür offen ließen, nachdem alle anderen Hunde (außer Ali, natürlich) wieder drinnen waren, damit sie nicht in ihre Lieblingsecke flüchten konnte und vielleicht selbständig nach draußen gehen würde. Hin und wieder stand sie in der Türöffnung, fand den Hof aber immer noch zu gruselig. Letztendlich haben wir sie ein wenig nach draußen gedrängt.

Und jetzt, seit mehreren Tagen schon, geht sie flott zusammen mit ihrem Freund alleine nach draußen. Es klingt seltsam und vielleicht unwichtig, aber heute Morgen hat sie sogar draußen gekackt und zwar auf dem Gras, wobei sie sich erst seit dem vorherigen Abend getraut hatte, das zu betreten. Ja, ja, ich freue mich über alle diese kleinen Fortschritte. Zuerst blieb sie nur unter der Abdachung, dann lief sie nur auf dem Beton. Dann war es Beton und Holz und jetzt sogar Beton, Holz und Erde mit Gras. Anna hat das Gesamtpaket. Hoffentlich gewöhnt sie sich jetzt auch an den Rundenrhythmus, damit sie ihr Geschäft nicht mehr in der Wäschekammer erledigt.

Anna und Ali zusammen draußen:

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Liebe Grüße,

Flora, Anna und Alibaba

P.S. Eigentlich wollte ich diesen Eintrag, so wie er jetzt ist, verschicken, doch die heutigen Ereignisse muss ich unbedingt noch hinzufügen. Anna ist nämlich heute in die große Hundegruppe integriert worden. Sie stand im Flur und wollte unbedingt mit nach draußen. Wir haben sie dann einfach rausgehen lassen und sie hat sich unglaublich gefreut, alle anderen beschnüffelt und ganz heftig gewedelt. Ein Paar Mal war sie ein wenig eingeschüchtert von aller Aufmerksamkeit der anderen Hunde, weil sie sie alle gleichzetig bedrängt hatten. Sonst ist sie aber die ganze Zeit fröhlich durch die Gegend gehüpft, hat alles beobachtet und an mehrere Hintern gerochen. Man konnte auch schon richtig erkennen, dass sie eigentlich ziemlich verspielt ist.

Hier sind einige Bilder von Annas großem Auftritt:

Anna1 Am Anfang war sie noch ein Bisschen schüchtern.

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Sie wurde sofort inspiziert… und akzeptiert!

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In dem Dex hat sie auf jeden Fall einen neuen Freund gefunden.

DSCN3888 Und auch die Mädchen heißen sie willkommen.

Welttierschutztag

Liebe Leser,

was ist denn ein besserer Tag, einen Blog über Hunde im griechischen Tierschutz anzufangen, als am Welttierschutztag? Heute ist der 4. Oktober und hier in Nikiti auf der Halbinsel Chalkidiki ist es gerade halb 4, eine Stunde später als in Deutschland und Holland. Von zwei bis vier ist hier auf der Hundestation Pause, weshalb ich gerade genug Zeit habe, meinen ersten Blogeintrag zu schreiben.

Seit dem 1. September bin ich jetzt hier auf der Station der Organisation Animal Pard Net (Hier findet man ihre Homepage: http://www.animalpardnet.de/) und bleibe ein halbes Jahr. Im Moment sind hier noch 3 andere Freiwillige und glücklicherweise verstehen wir uns alle ganz gut. Genauso wie die Leiter, deren Haus sich innerhalb der umzäunten Station befindet, leben wir auch zwischen den Hunden. Das ständige Zusammensein mit den Tieren macht mich sehr glücklich und führt neben den vielen fast obligatorischen ,,Oh-mein-Gott-wie-süß-Momenten´´ auch zu vielen unglaublich witzigen Momenten, von denen meine Kamera zum Glück immer mal wieder einen aufbewahren konnte. Natürlich werde ich diese Bilder mit den entsprechenden Geschichten bald hochladen.

Leider gibt es aber auch genug sehr traurige Fälle, wo Hunde einfach angebunden vor der Station hinterlassen werden, einen Unfall hatten und liegen gelassen sind, vergiftet, misshandelt oder vernachlässigt wurden. So gibt es in Griechenland zum Beispiel immer noch sehr viele Schäfer, die Hunde zum Hüten ihrer Schafe brauchen. Diese Hunde kastrieren und impfen zu lassen – darauf kommen die meisten leider nicht… Das nenne ich in dem Sinne Vernachlässigung, dass sie ihre Hunde mit diesen Krankheiten, gegen denen sie hätten geimpft werden können, einfach herumlaufen lassen. Deshalb ist Räude eine weit verbreitete Erkrankung unter den Straßenhunden, bei der das Fell des Hundes ausfällt und die Haut so irritiert ist, dass der Hund sie bis zum Bluten aufkratzt. Sie lassen ihre Hunde so herumlaufen, was zur Folge hat, dass sie wiederum andere Hunde anstecken.

Aber die meisten Hunde, die auf die Station gebracht werden, können irgendwann vermittelt werden, wie krank, verletzt, ängstlich oder aggressiv sie am Anfang auch waren. Solche Entwicklungen einiger Tiere miterleben zu können, macht die Arbeit noch ergreifender.

Bevor ich in den nächsten Einträgen die vermittelbaren Tiere hier vorstelle (die manchmal auch schon eine ganze Weile auf der Station wohnen) und den Tagesablauf schildere, möchte ich Euch hier einige Bilder der Stammhunde oder ,,Stammis´´ zeigen und Ihnen eine Stimme geben, indem ich Euch hier ihre Geschichte erzähle. Die meisten Stammis leben schon sehr lange auf der Station und sie alle werden dort ihr ganzes Leben bleiben, denn sie sind unvermittelbar. Ich werde sie also ein halbes Jahr lang begleiten.

Das ist Ole – der in einem vorigen Leben eindeutig Fotomodel gewesen sein muss.

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Ole wurden beide Ohren und der Schwanz abgeschnitten – was leider ein viel vorkommendes Verfahren der griechischen Schäfer ist, um ihre Hunde zu kennzeichnen. Außerdem wurde er gefunden mit eingewachsenem Halsband, wurde also als Kettenhund gehalten. Trotz des vielen Leides, das im von Menschenhand zugefügt wurde, ist der ungefähr 10-jährige Ole sehr verschmust. Wenn er dich angelaufen kommen sieht, legt er sich sofort hin und hebt seine Pfote als Ermahnung zum Streicheln.

Trotzdem spiegeln sich die Spuren seiner von Menschen auferlegten Schmerzen in seinem Verhalten wider. Er lässt sich kein Halsband umlegen, was verständlich ist, wenn man bedenkt, was ihm das letzte mal passiert ist, als er ein Halsband trug. Als man das bei ihm versucht hatte, bekam er panische Angst und wurde auch dementsprechend aggressiv. Die Nägel lässt er sich auch nicht schneiden, weshalb die mittlerweile sehr lang geworden sind, oder sich auf irgendeine andere Art oder Weise behandeln, falls er krank wäre oder eine Wunde hätte. Auch Mittel gegen Flöhe kann man ihm nur auf geben, wenn man es ganz geschickt zwischen den Streicheleinheiten hindurch macht, ohne dass er die Ampulle sieht oder riecht. Einfach streicheln und ab und zu die Flüssigkeit unauffällig in seinen Nacken spritzen. Aufgrund dieser Schwierigkeiten ist Ole nicht vermittelbar, führt aber ein sorgenfreies Leben mit den anderen Stammhunden und ständiger menschlicher Gesellschaft auf der Station. Als einziger von allen Hunden hat Ole nach einer Futterumstellung etwas zugenommen, was ihm aufgrund seiner immer noch ziemlich dünnen Beinchen und der spitzen Schnauze ein witziges Aussehen verleiht – no offense, Ole – und direkt zum kuscheln auffordert. Außerdem finde ich es weiterhin eine ziemlich kluge Strategie, denn dadurch dass er etwas zu fett geworden ist, hat er viel mehr Platz zum Kraulen.

Das sind links Mama, oder auch Mami, und rechts Nicky.

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Mami wurde auf der Straße vergiftet und gefunden. Sie konnte aber leider nie wirklich genesen werden, weshalb sie ihr Leben lang Medikamente bekommen muss und außerdem manchmal Blut pinkelt. Die Nägel lässt sie sich schneiden und Mittel gegen Flöhe kann man bei ihr auch in den Nacken spritzen, weiterhin würde sie sich aber auch nicht behandeln lassen, falls das nötig wäre. Mami hat sehr Angst vor Kameras – so als wären sie eine Waffe -, was es schwierig macht, von ihr ein nicht verschwommenes Bild zu machen, oder überhaupt eins von den Stammis, wenn sie in der Nähe ist. Sie geht dann meistens schnell weg und bellt mich dann richtig an. Sonst ist Mami aber ein ganz fröhliches, liebevolles Wesen. Wenn man in den Aufenthaltsraum kommt, wo die Stammis wohnen, fängt Mami immer sofort an zu wedeln, wenn sie dann in einem der Hundebette liegt, hört man richtig, wie sie sich freut, weil sie dann im Liegen die Wand ganz doll anwedelt. Ich glaube, Mama hat ihren Namen bekommen, weil sie sich immer um die Welpen auf der Station gekümmert hat. Ich weiß nicht mehr genau, wie die Geschichte war, aber es hat wohl einmal für kurze Zeit ein Welpe in einer Box im Aufenthaltsraum gelebt, der dann aus der Box ausgebrochen ist. Als ein Helfer dann in den Raum kam, traf er dort auf Mami, die zusammen mit dem Welpen mitten auf dem Esstisch lag und ihn dort abgeleckt hat. Ihre anderen Lieblingsbeschäftigungen sind, andere Hunde im Kampf anzufeuern (hauptsächlich Nicky) und an ihrer gewohnten Stelle in der Sonne zu liegen.

Jetzt komme ich zu Nicky, die andere Stammhündin. Nicky hat den Anfang ihres Lebens auf einem mit Abfall besähtem Grundstück neben einem Hochhaus verbracht. Einige Bewohner warfen ihr und ihrer Schwester Essen zu, aber von diesem Hochhaus aus wurde sie auch von Kindern mit Steinen abgeworfen. Nicky und ihre Schwester sind dann irgendwann in ein verlassenes Haus gezogen, wo eine tierliebe Person sie gefunden hat und den Leitern der Station Bescheid gesagt hat. In dem Hundehaus, das zu dem leerstehenden Gebäude gehörte, hat Nicky, mitten im Winter –  und auch in Griechenland kann es dann doch kalt sein – ihre Kinder bekommen. Um sie vor der Kälte und der Umwelt zu schützen, von der sie so schrecklich behandelt worden war, hatte sie in dem Hundehaus ein Loch gebuddelt, in dem sie ihre Welpen wärmte. Sie war sehr aggressiv gegenüber Menschen und sie musste letztendlich mit einem Blasrohr mit Betäubungsmitteln geschossen werden. Ihre Schwester war am Anfang auch nicht gerade freundlich, aber die konnte man am Ende doch einfangen. Die beiden sind dann zusammen mit Nickys Welpen auf die Station gebracht, wo die Schwester nach vielem Zwangskuscheln vermittelt werden konnte. Auch ihre Kinder haben ein schönes Zuhause gefunden. Nur die Nicky hat nie das Vertrauen in die Menschheit komplett zurückgewonnen. Sie lässt sich nämlich nicht anfassen. Nicht einmal von der Leiterin der Station, die sie schon so lange kennt. Früher hat sie auch nie mit dem Rücken zum Raum geschlafen, weil sie immer wachsam war. Wenn man ihr die Hand hinhält beschnüffelt sie die schon, guckt dann aber immer ganz skeptisch…

Was muss einem Hund passiert sein, dass er sich nicht streicheln lässt? Jedes Mal, wenn ich mich das frage, werde ich unglaublich traurig. Umso mehr freut es mich aber immer wieder, zu sehen, dass Nicky mit den anderen Stammhunden ein sicheres Leben führen, das ihr ermöglicht, sich einfach, wann immer sie möchte, im Sand zu wälzen – und das macht sie gerne. Außerdem ist sie immer noch aufmerksam, obwohl sie schon etwas älter ist und greift noch jeden Hund, der sich zur falschen Zeit (aus Versehen) in ihrem Bereich aufhält, an. Sie ist nicht so groß, aber sehr geschickt im Hundekampf, auch den großen gegenüber. Ihr immer heiseres Siganture-Bellen erkennt man auch durch das Gebelle aller anderen Hunde hindurch. Am liebsten sitzt sie auf einem großen viereckigen Blumentopf, von dem aus sie alles übersehen kann und alle anbellen kann.

Der letzte Stammhund heißt Jack und führt eine innige Liebesbeziehung mit Nicky.

Jack

Vielleicht verstehen die beiden sich gegenseitig besser, weil sie sich beide nicht von Menschen anfassen lassen. Jack wurde in einer noch nicht fertig gebauten Kirche in Thessaloniki gefunden, wo er zusammen mit Drogenabhängigen ein Dach über dem Kopf gefunden hatte. Eine Frau, die diesen Obdachlosen öfter Essen brachte, traf ihn dort mehrmals an und beobachtete wie einige der Drogenabhängigen ihn mit Stücken Brot lockten, um ihm, wenn er nahe genug war, immer wieder ins Gesicht zu schlagen.

Dieser Missbrauch seines Vertrauens hat er nie wirklich verarbeiten können, denn auch er lässt sich also nicht streicheln. Dementsprechend also auch nicht die Nägel schneiden, die bei ihm aufgrund der Länge schon krümmen. Auch das Winterfell steckt bei ihm am Hintern noch zwischen den anderen Haaren hindurch raus, weil man ihn nicht bürsten kann. Er guckt einen immer mit dem gleichen lieben Blick wie auf dem Bild an und es tut dann einfach weh, dass man ihn nicht kraulen kann, denn es sieht dann wirklich so aus, als würde er es gerne wollen. Wenn man es dann aber versucht, erschreckt er sich und geht schnell weg. Jack ist wie die anderen Stammis auch schon etwas älter und befindet sich manchmal in einem Absence ähnlichen Zustand und starrt dann eine Weile nur die Wand an. Außerdem kann er manchmal seine Bedürfnisse nicht mehr gut zurückhalten und hinterlässt auf dem Weg nach draußen eine Spur aus Kackhaufen, wenn er zu spät aufgestanden ist.

An solche Probleme muss man sich aber gewöhnen, wenn man mit über siebzig Hunden zusammenlebt. Dennoch gibt es anscheinend einige Gerüche, die man nicht ignorieren kann; ab und zu stehen alle von Tisch im Aufenthaltraum auf mit der Begründung ,,Ah, das war ein Ole´´ oder ,,Der ist scharf, das ist ein Jack´´. Manchmal kommen sie schleichend, manchmal mit lauter Ankündigung. Manchmal ist es so schlimm, dass sogar die Stammhunde, den Raum verlassen. Und einmal ist Ole sogar selbst gegangen, nachdem er seine Gase erlöst hatte.

Ich hoffe, Ihr alle werdet die Hunde und mich nach diesem Eintrag weiterhin begleiten. Ich werde versuchen, so oft wie möglich, einen Eintrag zu schreiben und natürlich am liebsten mit erfreulichen Geschichten und den dazu gehörenden Bildern.

Liebe Grüße von Flora und den Hunden aus Nikiti